EACS 2025 Paris: SHCS zeigt Forschungsstärke – Gleich drei Studien in der Auswahl der Konferenzvorsitzenden
Die Schweizerische HIV-Kohortenstudie SHCS ist auf allen HIV-Konferenzen prominent vertreten. Keine andere Kohortenstudie ist erfolgreicher. Besonders offensichtlich war das in der Sitzung „Co-Chairs Choice“ – der Auswahl der Konferenzvorsitzenden vom Samstagvormittag.
Sechs Beiträge schafften es in diese Auswahl, drei davon waren von der SHCS. Wir stellen diese Beiträge kurz vor.
Trends und Zeitpunkt der HIV-Diagnosen bei Migranten: Eine Analyse über 15 Jahre[1]
Für diese Studie wurden alle SHCS Teilnehmer berücksichtigt, welche zwischen 2010 und 2024 in die SHCS aufgenommen wurden und Ende 2024 noch aktiv in der Studie waren, also rund 3’500 Personen. Mit 1’777 waren die Schweizer knapp in der Überzahl. Im Lauf der Zeit stieg aber der Anteil der Migranten stark an. Lag deren Anteil 2010 noch unter 40%, waren es vierzehn Jahre später mehr als 60%. Die Mehrheit wurde erst nach dem Einwandern in der Schweiz diagnostiziert. Was weiter auffällt: Der Frauenanteil ist bei betroffenen Migranten fast dreimal höher als bei Personen mit Schweizer Pass, und die CD4-Zahl der Migranten ist deutlich tiefer. Diese Zahlen rufen nach verbesserten massgeschneiderten Test- und Präventionsstrategien bei Migranten.
Verhindern DoxyPEP und der Meningokokkenimpfstoff 4CMenB sexuell übertragbare Infektionen?[2]
Die Doxycyclin-Postexpositionsprophylaxe DoxyPEP senkt in klinischen Studien das Risiko für bakterielle sexuell übertragbare Infektionen bei Personen mit dem höchsten Risiko, wobei die Daten aus der Praxis begrenzt sind. Näher angeschaut wurden hier Männer, die Sex mit Männern haben, mit HIV leben und angaben, gelegentlich Sex ohne Kondom mit Gelegenheitspartnern zu haben und/oder in den letzten drei Jahren mit mehr als einer bakteriellen sexuell übertragbaren Infektion diagnostiziert wurden. Zudem mussten sie bereit sein, DoxyPEP und/oder 4CMenB als Off-Label-Präventionsmethoden zu verwenden und der Wiederverwendung von Daten und Proben zustimmen.
157 Teilnehmer wurden fast ein Jahr lang beobachtet. Insgesamt ging die Häufigkeit sexuell übertragbarer Infektionen um fast die Hälfte zurück. Besonders wirksam war die DoxyPEP gegen Syphilis und Chlamydien. Nicht wirksam war die Intervention bei Gonorrhöe. Der Meningokokkenimpfstoff zeigte keine Wirkung.
Wird eine Hepatitis-B reaktiviert, wenn Tenofovir auf eine andere Substanz umgestellt wird?[3]
Der dritte Beitrag beantwortet eine wichtige Therapiefrage. Fast ein Drittel der Menschen mit HIV haben Hepatitis-B-Antikörper. Es bestand die Befürchtung, dass diese reaktiviert werden, wenn die Substanz Tenofovir in der HIV-Therapie durch eine andere ersetzt wird. Wegen der Langzeitnebenwirkungen von Tenofovir wäre das wichtig. Eine Reaktivierung der Hepatitis-B-Antikörper passierte aber bloss bei 3% der beobachteten Menschen und ist damit in der Praxis unbedeutend.
Alle drei Beiträge zeigen die Bedeutung der Schweizerischen HIV-Kohorte weit über die Landesgrenzen hinaus.
David Haerry / November 2025
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