Swiss Hepatitis Symposium 2023

Das Thema des Swiss Hepatitis Symposiums 2023 war die Vereinfachung («simplification») der Versorgung von Menschen mit viraler Hepatitis. Die Vereinfachung hat viele Gesichter, wie verschiedene Redner:innen betonten. Sie ist aber entscheidend, damit die Elimination von viraler Hepatitis gelingen kann.

Am Tag des Berner Zibelemärits fanden sich ungefähr 50 Personen in der Welle7 in Bern ein. Nochmals etwa 30 Personen waren per Zoom zugeschaltet. Markus Messerli, Präsident des Swiss Pharmaceutical Care Network und Inhaber einer Apotheke in Baar, machte den Auftakt. Er stellte eine Pilotstudie mit Apotheken in der Schweiz vor, welche Klientinnen und Klienten auf Hepatitis C getestet haben. 36 Apotheken wurden eingeladen, 21 begannen das Screening. Total wurden über 400 Patienten angefragt, ob sie zu einem Test bereit waren, 145 wurden getestet. Bei 18 Patient:innen wurde ein positiver Antikörpertest gefunden. Die Evaluation zeigte, dass Apotheken ein guter Ort sind, um Tests insbesondere bei Risikogruppen anzubieten. Dazu brauche es aber «Kickbacks», sprich die Kosten müssten gedeckt sein.

John Dillon, Professor an der Dundee University, war online aus Schottland zugeschaltet und stellte die erfolgreiche Mikroelimination von Hepatitis C in der Region Tayside in Schottland vor. Dabei spielten Apotheken eine entscheidende Rolle. Ihre Studien zeigten, dass die Versorgung von Patientinnen und Patienten im Drogenbereich, welche eine chronische Hepatitis C aufwiesen, in Apotheken deutlich besser war als über die Standard-Behandlungswege. Es brauche aber Anreize, damit die Apotheken mitmachten. Dann könnten sie alle Schritte von Bluttests über Diagnostik und Therapie abdecken.

Niklas Luhmann leitet die Abteilung für virale Hepatitis bei der Weltgesundheitsorganisation WHO. Er zeigt, dass weltweit nur ein kleiner Teil der infizierten Personen mit Hepatitis B oder C diagnostiziert sind, wobei die Zahlen sich nach Regionen stark unterscheiden. Die internationalen Richtlinien bewegen sich in Richtung Vereinfachung der Diagnostik und Therapie. Die Empfehlungen betonen heute Dezentralisierung, Integration und Aufgabenteilung. Das bedeutet insbesondere, dass sich die Betreuung von Betroffenen von spezialisierten Kliniken wegbewegt, hin zur Grundversorgung, wo die Risikopersonen betreut werden.

Margaret Hellard, Infektiologin aus Melbourne betonte, wie komplex die Behandlungsguidelines für Hepatitis B heute seien. Weitere Hürden seien die Kosten der Tests in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Die Infektiologin stellte die These in den Raum, dass alle Patientinnen und Patienten mit einer chronischen Hepatitis B behandelt werden sollten. Es gebe keine endgültige Evidenz, aber Hinweise, dass dies der richtige Weg sei. So erhöhe eine Infektion mit Hepatitis B das Risiko, einen Leberkrebs zu entwickeln bedeutend, auch wenn die Leber noch nicht geschädigt sei. Das Risiko sei vergleichbar mit demjenigen beim Rauchen einer Schachtel Zigaretten am Tag. Wir müssten chronische virale Hepatitis als kanzerogene Infektionskrankheiten sehen.

Ein Interview mit einem Betroffenen, der mit Hepatitis B lebt, bestätigte diese Sichtweise der Infektiologin. Der Patient wurde in Vietnam geboren und kam in den 70er-Jahren mit der Familie in die Schweiz. Seine Schwester wurde per Zufall – beim Blutspenden – positiv auf Hepatitis B getestet. Danach wurde die ganze Familie getestet und es stellte sich heraus, dass er von der Mutter bei der Geburt mit Hepatitis B angesteckt worden war. Er liess sich erst Jahre später weiter untersuchen und hatte da schon – ohne jemals Symptome gehabt zu haben – einen Leberkrebs entwickelt. Der Arzt gab ihm nur noch kurze Zeit zu leben. Ein Schock für den Familienvater, dessen Frau mit dem zweiten Kind schwanger war. Es folgten Operationen, monatelange Spitalaufenthalte und schliesslich eine Lebertransplantation. Mit viel Glück hat der Patient den Krebs überlebt. Heute geht es ihm und seiner Familie gut.

Andrea Bregenzer und Claude Scheidegger präsentierten Beispiele, wie die Versorgung in der Schweiz in OAT-Programmen und im Gefängnis erfolgen kann. Andrea Bregenzer zeigte auf, dass Point-Of-Care-Tests in Apotheken möglich sind. Viele Probleme seien schon gelöst und die Diagnostik und Zugang zur Therapie seien schon vereinfacht. Es blieben aber noch viele Barrieren bestehen wie zum Beispiel die fehlende Vergütung von Schnelltests.

Claude Scheidegger, Leiter des Projekts SHiPP Swiss HepFree in Prisons Programme, zeigte erste Resultate aus Schweizer Gefängnissen in allen Landesteilen. Während einzelne Infektionen mit Hepatitis B und HIV gefunden wurden, liegt die Prävalenz bei chronischer Hepatitis C zwischen 1 und 3 Prozent. Dies sind vorläufige Zahlen in einem Programm, das erst richtig Fahrt aufnimmt. Die Aussagekraft ist daher beschränkt.

Zum Abschluss der Vortragsreihe zeigte Patrizia Künzler-Heule, Pflegewissenschaftlerin im Kantonsspital St. Gallen, wie interprofessionelle Zusammenarbeit die Versorgung vereinfachen kann. Bei der sogenannten «nurse-led» Care, die in St. Gallen eingeführt wurde, begleitet eine Pflegefachfrau die Patientinnen und Patienten durch alle Schritte der Behandlung. Dabei arbeitet die Pflegefachfrau eng mit den Hepatologinnen und Hepatologen, aber auch Grundversorgenden oder Spitex-Diensten zusammen. Bei dieser Art von Zusammenarbeit müssen die Rollen und Prozesse klar definiert und alle bereit sein, voneinander zu lernen. Dadurch würde Patientenbedürfnissen optimal entsprochen.

Zum Abschluss gab es eine Podiumsdiskussion zur Bedeutung von Apotheken in der Versorgung und der Überwindung von Barrieren zur Versorgung.

Bettina Maeschli / Dezember 2023

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