Rückgang der HIV-Infektionen wegen COVID-19?
Laut Pressemitteilungen seien die HIV-Neuansteckungen im laufenden Jahr massiv zurückgegangen. Bisher hätten sich bloss 236 Menschen mit HIV infiziert. Dies entspreche einem Drittel weniger als in der Vorjahresperiode. Vertreter der Aids-Hilfe Schweiz meinen, dass die Corona-Massnahmen das Sexualverhalten der Menschen verändert habe.
Was erfreulich tönt, stimmt uns eher skeptisch. Wir wissen zwar von vielen schwulen Männern, dass sie ihr Sexualverhalten wegen der Coronavirus-Pandemie verändert haben, und weniger spontane Sexabenteuer haben. Diese Männer sind aber nicht jene, welche sich in erster Linie mit HIV anstecken. Die Clubs sind zu, reisen ist schwierig – aber einschlägige Freilufttreffpunkte waren hoch im Kurs. Die Szene hat sich also zum Teil verlagert. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Gehen die Leute mit Risikoverhalten gleich häufig zum Testen wie früher? Teilweise waren einige Teststellen weniger gut zugänglich. Und vor allem: weniger Diagnosen heisst nicht einfach automatisch weniger Ansteckungen. Auch dürfte die Zahl der PrEP-Nutzer im Vergleich zum Vorjahr nochmals höher sein.
Warten wir also ab, bis wir es besser wissen und verstehen, was in den letzten Monaten wirklich passiert ist.
David Haerry / November 2020
Weitere Themen
Swiss Hepatitis Symposium 2022: Viral Hepatitis and Migration
Am Montag, 28. November 2022, von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr findet in der Welle7 in Bern das Hepatitis Symposium mit Livestream statt.
Die Gesundheit von Migrantinnen und Migranten ist ein wichtiges Thema – nicht nur in Zeiten des Krieges in Europa. Auch wenn chronische Infektionskrankheiten für Schutzsuchende, die vor Gewalt, Unruhen oder prekären Lebensbedingungen in die Schweiz fliehen mussten, oft nicht deren Hauptsorgen sind, muss der Zugang zur Versorgung gewährleistet sein.
Bestimmte Migrantengruppen, die aus Ländern mit hoher Prävalenz stammen, können stärker von Virushepatitis oder anderen chronischen Infektionskrankheiten betroffen sein als die Allgemeinbevölkerung. Folglich können sie nach ihrer Ankunft unter Folgeerscheinungen von chronischen Infektionen leiden.
Schwules Blut ohne Sexpause willkommen
Es hat gedauert. 2017 haben der Blutspendedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes und die Swissmedic schwulen Männern erstmals erlaubt Blut zu spenden – mit der lebensfremden Auflage, ein ganzes Jahr vorher sexuell abstinent zu sein. Ab diesem Monat ist alles anders.
Verminderte Immunantwort auf Covid-19 mRNA-Impfstoffe bei Menschen mit HIV?
Aus Erfahrung wissen wir, dass Menschen mit HIV eine verminderte Immunreaktion auf Impfstoffe wie Hepatitis B und Influenza zeigen. Amerikanische Forscher befürchteten, dass dies auch auf die mRNA-Impfung gegen SARS-CoV-2 zutreffen könnte.
Eine Ende September an der Infectious Disease Week präsentierte Studie scheint diese Befürchtungen nun zu