Gesundheitsversorgung im Gefängnis: Warum sie uns alle angeht
Die 13. Die INHSU-Konferenz (International Network on Health and Hepatitis in Substance Users) in Kapstadt hat kürzlich gezeigt: Gefängnisse sind zentrale, aber oft vernachlässigte Orte im Kampf gegen HIV und virale Hepatitis B und C. Weltweit sind 11,5 Millionen Menschen in Haft, und dort ist das Risiko für Infektionen besonders hoch.
So sind 11,7 % der Inhaftierten weltweit mit Hepatitis C infiziert (in der Allgemeinbevölkerung: ca. 1 %), bei HIV sind es 3,7 % (in der Allgemeinbevölkerung: 0,7 %). Frauen tragen dabei ein doppelt so hohes Risiko wie Männer.
Doch es gibt Hoffnung: Innovative Lösungen wie Schnelltests direkt vor Ort oder Selbsttests zeigen Wirkung. In australischen Gefängnissen führte eine Testkampagne zu einer Abdeckung von 61 % und senkte die Hepatitis-C-Rate in einigen Einrichtungen von 27 % auf 15 %. In Nordindien sorgte ein Selbsttest-Projekt nicht nur für mehr Diagnosen, sondern auch dafür, dass alle Betroffenen mit aktiver Hepatitis C behandelt wurden. Leider sind solche Tests in der Schweiz noch nicht zugelassen.
In der Schweiz gibt es grosse Unterschiede zwischen den Kantonen und Gefängnissen: Manche bieten umfassende medizinische Versorgung, andere hingegen nicht einmal grundlegende Infektionsscreenings, Opioid-Substitutionstherapien oder präventive Materialien wie Kondome oder sterile Spritzen. Das ist problematisch, denn Gefängnisse sind kein abgeschotteter Raum, sondern Teil unseres Gesundheitssystems. Werden Infektionen dort nicht erkannt oder behandelt, ist das eine verpasste Chance, diese Menschen zu behandeln, es gefährdet damit nicht nur die Betroffenen, sondern auch die öffentlichen Gesundheitsziele.
Das nationale Programm NAPS des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) erkennt inhaftierte Menschen als eine Schlüsselgruppe an, die besonderer Aufmerksamkeit bedarf. Von 2026 bis 2030 sollen ihre Gesundheitsbedürfnisse im Bereich Infektionserkrankungen wie HIV und Hepatitis gezielt berücksichtigt werden. Das ist eine Chance, die Gesundheitsversorgung in Gefängnissen zu vereinheitlichen mit:
- Testung von allen Personen auf HIV, Hepatitis B und C bei Haftantritt
- Zugang zu Behandlungen und Präventionsmassnahmen für alle
Warum das wichtig ist:
- Gerechtigkeit: Jeder Mensch hat in der Schweiz ein Recht auf dieselbe medizinische Versorgung, ob in Freiheit oder in Haft.
- Prävention: In geschlossenen Einrichtungen müssen jegliche präventiven Materialien frei zugänglich sein, um Neuansteckungen zu verhindern und den Menschen die Chance zu geben, sich zu schützen.
- Ziele erreichen: Nur wenn alle Personen Zugang zu Tests, Behandlungen und Prävention haben, können wir die Eliminationsziele der Schweiz erreichen.
Die Mittel und das Wissen sind da. Jetzt geht es darum, sie flächendeckend in den Haftinstitutionen der Schweiz einzusetzen.
Fragen oder Ideen? Schreib uns gerne – wir freuen uns auf den Austausch!
Nathalie Brunner / November 2025
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