Positionen – 07. September 2018

HIV-Heimtest – holprige Einführung

Swissmedic hat die Abgabe von HIV-Tests zur Eigenanwendung bewilligt, die Eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit EKSG und das Bundesamt für Gesundheit BAG publizierten Empfehlungen dazu. Trotzdem holpert die Umsetzung. Die Aids-Hilfe Schweiz und Sexuelle Gesundheit Schweiz legen nach, seit dem 1. September ist eine Hotline in Betrieb.

Am 18. Juni 2018 hat das BAG über eine Pressemitteilung1 über die HIV-Selbsttests informiert. Bisher waren HIV-Nachweistests nur in einem professionellen Umfeld beim Arzt, im Spital oder bei einem Checkpoint zugänglich. Die sogenannten Heimtests der älteren Generation waren zu wenig zuverlässig, und man war in der Schweiz auch der Meinung, dass zu einem allfälligen positiven Testresultat die Beratung der Betroffenen gehört. Mit der heute verfügbaren neusten Generation der Heimtests hat sich aber die Zuverlässigkeit stark verbessert. Hinzu kamen die positiven Erfahrungen aus Frankreich, wo diese seit September 2015 in den Apotheken erhältlich sind.

Trotzdem gab es einige Stolpersteine. Am 19. Juni hatte keine Apotheke einen Heimtest im Verkauf, weder in Bern, Genf, noch in Zürich. Am 7. August schliesslich reichte das BAG ein Dokument mit „Fragen und Antworten zum HIV-Test zur Eigenanwendung“ nach. Dieses wird laufend aktualisiert.

Zielpublikum der Heimtests sind Menschen, die nicht in einen Checkpoint, eine Arztpraxis oder ein Spital gehen wollen, um einen Test zu machen. Mit der Pressemitteilung wurde auch die Empfehlung der EKSG2 publiziert. Die Tagespresse hat das Thema gut aufgenommen, es erschienen viele Artikel sowohl in gedruckten wie auch in online Medien.

Drei Produkte sind auf dem Markt: Der „Autotest VIH“ von Mepha seit Anfang September sowie in Bälde das Produkt Exacto von Biosynex. Diese beiden werden von der Aids-Hilfe Schweiz empfohlen. Bereits erhältlich ist der Test Insti.

Die Aids-Hilfe Schweiz hat eine Informationsseite aufgeschaltet. Die Sexuelle Gesundheit Schweiz SGS tut dasselbe, bloss findet man die Seite erst nach aufmerksamer Suche. Für die Anwender gibt es seit dem 1. September eine 24-Stunden Hotline. Diese wird allerdings bloss auf den Packungsbeilagen der beiden Heimtests beworben. Betrieben wird die Hotline von der Dargebotenen Hand, in Zusammenarbeit mit der Aids-Hilfe und der SGS; finanziert wird sie von den Herstellerfirmen Mepha und Biosynex.

Was müssen Anwender wissen?

  • Nach einem Risikoverhalten nicht gleich testen! Die Heimtests liefern erst nach drei Monaten ein sicheres Resultat. Bei einem Test in einem Checkpoint oder Spital dauert die Wartezeit 6 Wochen. Akute HIV-Infektionen können unentdeckt bleiben. Vielen Anwendern dürfte das nicht bewusst sein.
  • Eine Anwendung in Ruhe und in nüchternem Zustand ist empfehlenswert.
  • Bei einem positiven Resultat braucht es einen Bestätigungstest durch einen Arzt oder ein Spital. Die Leute werden an die Teststellen verwiesen, die sie vorher nicht aufsuchen wollten. Es zeigt sich auch, dass sich die Schweizer Spitäler auf die neue Kundschaft noch vorbereiten müssen – die Abläufe sind nicht klar.
  • Falsch-positive Resultate, wenn gar kein Risiko vorliegt. Diese gibt es nämlich auch, und das versteht der eh verunsicherte Käufer wohl kaum.

Grundsätzlich begrüssen wir es, dass sichere Heimtests nun in den Apotheken erhältlich sind und nicht mehr aus unsicheren Quellen importiert werden. Eine bessere Vorbereitung hätte aber der Sache nicht geschadet – zwischen Pressemitteilung BAG Mitte Juni und Verfügbarkeit der Produkte liegen fast drei Monate. Wir finden auch, ein Test im Spital oder im Checkpoint sei noch immer die bessere Lösung.

 

David Haerry / Semptember 2018

 

 

1 https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/aktuell/news/news-18-06-2018.html

2 https://www.bag.admin.ch/dam/bag/de/dokumente/mt/p-und-p/richtlinien-empfehlungen/eksg-hiv-test-zur-eigenanwendung-2018.pdf.download.pdf/eksg-hiv-test-zur-eigenanwendung-2018.pdf