Positionen – 13. Juni 2017

Hepatitis C: Ein dringender Brief an Bundesrat Berset

 

Die Schweizerische Hepatitis-C Vereinigung und der Positivrat schrieben vor einem Monat einen Brief an Herrn Bundesrat Berset. Gemeinsam fordern wir, dass das Katz- und Mausspiel auf dem Rücken der Patienten ein Ende hat. Ebenso fordern wir eine unmissverständliche Unterstützung der Schweizerischen Hepatitis-C Strategie durch das zuständige Bundesamt für Gesundheit. Die Antwort aus dem Departement des Innern ist nach Redaktionsschluss eingetroffen. Wir kommen in der nächsten Ausgabe darauf zurück.

Sehr geehrter Herr Bundesrat,

Seit bald drei Jahren sind neue, hochwirksame und praktisch nebenwirkungsfreie Substanzen für die Heilung der Hepatitis-C in der Schweiz zugelassen. Menschen, die zumeist seit über 20 Jahren mit zum Teil schwerwiegenden Symptomen kämpfen, eine stark eingeschränkte Lebensqualität haben und auch immer wieder in ihrer beruflichen Erwerbstätigkeit eingeschränkt sind, hätten seit 2014 die Möglichkeit einer raschen und definitiven Heilung, die durch die vom BAG verhängte Limitatio verhindert wird.

Krankenkassen verweigern die Kostenübernahme selbst in Fällen die klar innerhalb der durch das BAG verordneten Limitatio liegen. Apotheken verweigern die Bestellung von Medikamenten ohne Vorlage einer expliziten Kostengutsprache der Krankenkasse. Unsere Ärzte schlagen sich mit unendlichen administrativen Procedere herum, statt ihre knappe Zeit für die Patienten einzusetzen. Derweil verkünden Beamten des BAG unverfroren über die Medien, dass alle Patienten in der Schweiz, welche gesundheitliche Probleme haben, behandelt werden. Nach jedem Auftritt der Verantwortlichen im BAG überquellen bei uns die Mailboxen – von empörten Patienten, die vom System im Stich gelassen werden und von Ärzten, die nicht mehr weiter wissen

Das Schicksal von zwei Patienten hat uns in diesen Wochen besonders aufgewühlt. Da ist eine trauernde Witwe, deren Mann innert weniger Monate ohne Therapie verstorben ist. Als endlich eine korrekte Diagnose gestellt wurde, war sein Leberkarzinom bereits unbehandelbar1. Da ist ein Patient mit einer klar diagnostizierten Leberzirrhose im Stadium F4, welcher seit Mai 2016 auf eine Therapie wartet. Sein Leben hängt an einem Faden, und die zuständige Krankenkasse behauptet stur, es würden keine Krankheitszeichen vorliegen2. Andere Patienten – es sind mittlerweile rund 50 Personen – importieren Generika aus Indien und bezahlen ihre Heilung aus der eigenen Tasche.

Herr Bundesrat, wir haben ein Krankenversicherungsgesetz und eine Bundesverfassung. Die Situation der Hepatitis C Patienten ist eine Bankrotterklärung des obligatorischen Krankenversicherungssystems. Diese Zustände sind der Schweiz unwürdig.

Wie viele Schweizer Hepatitis-C Patienten müssen noch sterben, wie viele müssen leiden und auf eine Therapie und Heilung warten? Wir bitten Sie dringend, dem elenden Katz- und Mausspiel auf dem Rücken der Patienten ein Ende zu setzen. Ebenso bitten wir Sie um eine klare Unterstützung der Akteure der Schweizerischen Hepatitis-C Strategie.

Im Namen vieler verzweifelter Patienten danken wir Ihnen und grüssen Sie freundlich

Schweizerische Hepatitis-C Vereinigung und der Positivrat Schweiz

 

David Haerry / Mai 2017

 

Hepatitis-C: Unser Brief an Herrn Bundesrat Berset

Die Antwort aus dem Departement des Innern ist nach Redaktionsschluss eingetroffen. Wir kommen in der nächsten Ausgabe darauf zurück.

 

1https://positivrat.ch/cms/recht-gesellschaft/aus-unserem-leben/241-jeder-sollte-zugang-zu-der- behandlung-haben.html

2https://positivrat.ch/cms/recht-gesellschaft/krankenkasse/226-misere-rund-um-die-hepatitis-c-therapien-%20atupri-bezahlt-a-tout-prix-nicht.html