Therapie & Gesundheit – 14. Februar 2020

EHVA T02-Studie am CHUV in Lausanne

Das EHVA-Projekt soll dazu beitragen, sichere und wirksame prophylaktische und therapeutische Impfstoffe zur Be­kämpfung von HIV / AIDS zu entwickeln. Trotz enormer Fortschritte bei der Vorbeugung und Behand­lung von HIV und AIDS kann die globale Reaktion mit der Ausbreitung von HIV nicht Schritt halten: 36,9 Millionen Menschen leben weltweit mit HIV und täglich gibt es rund 6‘000 neue HIV-Infektionen. HIV-Impfstoffe werden von entscheiden­der Bedeutung sein, um neue HIV-Infektionen einzudämmen, eine nachhaltige Reaktion auf HIV / AIDS zu gewährleisten, das Leben von Millionen von Menschen zu retten und letztendlich zur Beendigung der Epide­mie beizutragen.

Die Replikation von HI-Viren kann heute mit Medikamenten so effektiv unterdrückt werden, dass nach kur­zer Zeit keine Viren mehr im Blut nachweisbar sind. Doch nach jeder längeren Unterbrechung der Medika­menteneinnahme kommt es zur erneuten Virusvermehrung. Die dafür verantwortlichen Virusreservoire werden unter anderem im Darm vermutet, der die grösste Ansammlung von Abwehrzellen des menschlichen Körpers beherbergt, darunter auch zahl­lose CD4-Zellen, die das HI-Virus infiziert.

Ein sogenannter Integrin-Antikörper, der Entzündungszellen den Zugang zur Darmschleimhaut versperrt, hat in einer Studie verhindert, dass SIV-infizierte Makaken nach dem Absetzen von antiretroviralen Medikamen­ten einen Rückfall erlitten. Die in Science (2016; 354: 197-202) publizierten Ergebnisse haben dazu geführt, dass in einer neuen klinischen Studie der Integrin-Antikörper Vedolizumab zum Einsatz kommt, der zur Behand­lung von entzündlichen Darm­er­krank­un­gen zugelassen ist.

Was wir vom Projekt erwarten
Ein wesentliches Ziel des Projektes ist die Entwicklung neuer Ansätze, die es dem Immunsystem ermöglichen, HIV zu kontrollieren und zu elimi­nieren. Die Forschenden sind davon überzeugt, dass die therapeutische Impfung dabei eine Rolle spielt. Ein weiterer möglicher Ansatz ist die Verwendung monoklonaler Antikörper als Immun­therapie, eine Behandlung, die das Immunsystem stärkt. In dieser Studie wird Folgendes bewertet:

  • Der Einfluss eines Impfstoffs auf die Viruslast,
  • Der Einfluss der Immuntherapie (monoklonaler Antikörper) auf die Viruslast,
  • Der Einfluss der Kombination von Impfstoff und Immuntherapie auf die Viruslast.

Um die Auswirkungen dieser Strategien auf die Viruslast zu bewerten, werden die Teilnehmenden gebeten, ihre antiretrovirale Therapie für bis zu 24 Wochen zu unterbrechen. Es ist bekannt, dass Menschen mit einer guten Immunantwort auf HIV eine geringere Viruslast haben. Die Impfung kann zur Entwicklung neuer Im­munantworten führen und / oder die bereits vorhandenen Reaktionen stimulieren. Eine Immuntherapie mit monoklonalen Antikörpern verändert auch die Immunantwort. Die Forscher interessiert, ob aktive Produkte dem Immunsystem helfen, die Viruslast zu kontrollieren, und welche Immunantworten am engsten mit der Kontrolle der Viruslast verbunden sind.

Teilnahme in der Schweiz möglich
Das Projekt EHVA T02/ANRS VRI07 ist eine internationale Phase-II-Doppelblindstudie, in der jeweils zwei experimentelle Arme im Vergleich zur Placebo-Kontrolle bei HIV-1-positiven Teilnehmern untersucht wer­den, um festzustellen, ob einer der beiden einen klinisch relevanten Einfluss auf die Virusreplikation hat. Der Versuch soll abgebrochen und die vorherige cART wieder aufgenommen werden, wenn die Viruslast auf über 100‘000 Kopien/ml ansteigt (Die EATG empfiehlt hier bei über 50‘000 Ko­pien/ml abzubrechen und bei nachweisbarer Viruslast die Studie nicht länger als 12 Wochen ohne cART fortzuführen), oder die CD4 auf unter 350/mm3 absinken, oder bei objektiven Zeichen einer Erkrankung oder bei Feststellen einer Schwanger­schaft. Gemäss der Beschreibung der Studie durch das CHUV sollen bis 69 Probanden teilnehmen, davon etwa 20 in der Schweiz.

Die wichtigsten Voraussetzungen für eine Teilnahme (Einschlusskriterien):

  • HIV-1-infiziert
  • Alter 18 bis 65 Jahre
  • Gewicht über 50 kg
  • Seit mindestens einem Jahr unter cART, Beginn der cART nach 2009
  • Viruslast unter 50 Kopien/ml
  • CD4 Zellen über 300 Zellen/mm³ (Nadir) bzw. über 500 Zellen/mm3 beim Scree­ning
  • Bereitschaft, die cART für bis zu 24 Wochen zu unterbrechen und bei Bedarf das cART-Schema zu ändern.

Interessiert? Melde dich beim CHUV Lausanne

Division of Immunology and Allergy: Telefon 021 314 11 60

 

Hansruedi Völkle / Februar 2020