Kohorten-News SHCS – 26. September 2019

Warum werden Personen aus Subsahara-Afrika mit einer HIV-Infektion spät diagnostiziert?

Hachfeld A et al, HIV Medicine 2019

 

HIV-Infektionen werden bei Patienten aus Subsahara-Afrika oft in einem späten Stadium diagnostiziert. Eine spät diagnostizierte Infektion ist definiert durch eine tiefe CD4-Zell Zahl und/oder AIDS-definierenden Erkrankungen.

Die Autoren dieser Studie haben die Gründe dieser Beobachtung in der Schweizerischen HIV Kohortenstudie untersucht. Sie haben untersucht, wie oft die HIV Infektion bei Patienten aus Subsahara-Afrika und aus West-Europa spät diagnostiziert werden. In persönlichen Interviews wurden Patienten befragt, welchen Zugang sie zu HIV-Tests hatten. Ebenfalls wurden Gründe für eine verzögerte HIV-Testung angesprochen.

Die HIV Infektion wurde bei 64.6% (126/195) der Patienten aus Subsahara-Afrika und bei 45.8% (435/950) der Patienten aus West-Europa spät diagnostiziert. In West-Europa wurden Frauen später als Männer diagnostiziert. In Subsahara-Afrika bestand kein zeitlicher Unterschied in der HIV-Diagnose zwischen Männern und Frauen. Die Patientinnen mit einer spät diagnostizierten Infektion wurden eher in der Schwangerschaft diagnostiziert, wenn sie aus Subsahara-Afrika stammten (9.1% der Patientinnen) als aus West-Europa (0%). Patienten mit einer spät diagnostizierten Infektion wurden häufiger von Hausärzten diagnostiziert, wenn sie aus West-Europa stammten (44.6%), als wenn sie aus Subsahara-Afrika stammten (25.0%). Ein niedriger Bildungsgrad hatte keinen Einfluss auf eine späte HIV Diagnosestellung. Patienten aus Subsahara-Afrika wussten häufiger als Patienten aus West-Europa nicht, dass anonyme HIV-Tests durchgeführt werden können. Ebenfalls die Angst der Reaktionen der Familienangehörigen, falls ein Test positiv ausfällt, wurde häufiger von Patienten aus Subsahara-Afrika (39.3%) als Patienten aus Europa (21.7%) als Grund für einen verspäteten HIV-Test berichtet.

26.1% der Patienten aus Subsahara-Afrika hatten Angst, aus der Schweiz ausgewiesen zu werden.

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass die Mehrheit der Patienten aus Subsahara-Afrika spät mit einer HIV-Infektion diagnostiziert wurden, unabhängig des Geschlechts und des Bildungsgrads. Eingeschränkter Zugang zu HIV-Tests, fehlende Kenntnisse über HIV-Tests und Ängste einer HIV-Diagnose sind wichtige Gründe für eine spät diagnostizierte HIV-Infektion bei Patienten aus Subsahara-Afrika.



Kommentar Positivrat

David Haerry

Fehlendes Wissen und Ängste führen dazu, dass Sub-Sahara Migranten in der Schweiz zu spät diagnostiziert werden. Uns ist bewusst, dass ein wirksames Engagement in dieser verletzlichen Gruppe viel Phantasie, Sorgfalt und Behutsamkeit erfordert. Entsprechend schwer tun wir uns seit Jahren, und es fehlt an guten, langfristig angelegten Programmen welche über die persönliche Unterstützung hinaus in den betroffenen Gruppen wirksam sind. Wir hoffen, dass das neue nationale Programm hier Prioritäten setzt.