Kohorten-News SHCS – 25. Juli 2019

Anstieg der in der Schweiz erworbenen Hepatitis C Neuinfektionen bei HIV-positiven Männern, die Sex mit Männer haben, aus der Schweizerischen HIV Kohortenstudie.

L Salazar-Vizcaya et al, Journal of Infectious Diseases, Juni 2019

 

Die niederschwellige Verfügbarkeit der neuen hochwirksamen Hepatitis C (HCV) Medikamenten in der Schweiz und die Behandlung der Personen mit einer erfassten HCV Infektion hat die Rate an HCV Neuinfektionen bei HIV-positiven Männern, die Sex mit Männer haben (MSM) entscheidend gesenkt. Die Anzahl Neuinfektionen könnte allerdings wieder ansteigen, wenn sich viele der MSM im Ausland mit HCV anstecken und die Infektion dann zurück in die Schweiz einführen.

Die Autoren dieser Studie aus der Schweizerischen HIV Kohortenstudie (SHCS) haben deshalb untersucht, wie viele der MSM sich zwischen 2000 bis 2016 mit HCV im Ausland angesteckt haben und wie viele davon in der Schweiz. Die Studie konnte zeigen, dass der Anteil der MSM, die sich in der Schweiz mit HCV angesteckt hatten, in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Welche Konsequenzen sich daraus ableiten, lesen sie weiter unten.

Für die vorliegende Studie haben die Autoren mittels molekularbiologischen Analysen die Virusstämme von 99 HCV infizierten Personen aus der SHCS analysiert. Alle Virusstämme waren sogenannte Genotyp 1a Infektionen, der häufigste vorkommende Genotyp bei MSM. Zwei Drittel der Virusstämme waren zudem HCV Infektionen, welche MSM betrafen. Ausgehend von diesen 99 Virusstämmen haben die Autoren anschliessend einen genetischen Stammbaum konstruiert und diesen mit 374 Referenzstämmen aus dem In- und Ausland vergleichen. Damit konnten die Autoren herausfinden, welche der 99 Patienten aus der SHCS sich im Ausland angesteckt hatten und welche in der Schweiz.

Aufgrund ihrer Analysen schätzen die Autoren, dass 50 bis 80% der HCV Infektionen Schweizer Virusstämme waren, das heisst, dass sich die Person wahrscheinlich in der Schweiz mit HCV angesteckt hatte. Eine weitere Beobachtung war, dass im Zeitraum 2000 bis 2007 der Anteil der Schweizer HCV Stämme 54 Prozent betrug. Mit anderen Worten, etwas mehr als die Hälfte der MSM hatten sich wahrscheinlich in der Schweiz mit HCV angesteckt. Bemerkenswerterweise stieg im Zeitraum 2008 bis 2017 der Anteil der in der Schweiz erworbenen HCV Infektionen auf bis zu 85 Prozent an. Es fanden sich zudem keine Hinweise darauf, dass die HCV Infektionen bei den MSM von Personen stammten, welche zu der Risikogruppe der intravenösen Drogenkonsumenten gehören.

Zusammenfassend zeigt die Studie, dass es bei HIV-positiven MSM internationale Netzwerke von Hepatitis C Übertragungen gibt. Die Früherkennung solcher Netzwerke mittels Studien wie dieser könnte helfen, diese Übertragungskette zu stoppen und die Weiterverbreitung von HCV Infektionen innerhalb der Netzwerke einzudämmen. Weiter zeigt die Studie, dass sich im Beobachtungszeitraum der Studie wahrscheinlich die meisten MSM in der Schweiz mit HCV angesteckt hatten und nicht im Ausland. Allerdings spielen HCV Infektionen, welche aus dem Ausland einführt wurden, weiterhin eine bedeutende Rolle. Insbesondere, da solche eingeführten HCV Infektionen die Bemühungen zunichtemachen könnten, HCV in der Schweiz bei HIV-positiven MSM zu eliminieren.



Kommentar Positivrat

David Haerry

Die Studie von Luisa Salazar ist hochinteressant. Blenden wir ein paar Jahre zurück. Wir haben seit einigen Jahren in der Schweizer HIV-Kohorte einen starken Anstieg von Hepatitis-C Neuansteckungen bei HIV-positiven MSM beobachtet und haben darüber berichtet, ebenfalls hier. Mittlerweile wurden alle ko-infizierten MSM in der Schweiz von der Hepatitis-C Infektion geheilt. Bisher hat man sehr wenige Wiederansteckungen beobachtet. Wenn nun die Analyse von Luisa Salazar-Vizcaya zeigt, dass die meisten HCV-Ansteckungen unter MSM in der Schweiz erfolgten, können wir damit rechnen dass die Neuansteckungen bei Schweizer MSM zurückgehen. Das wäre ein grosser Erfolg, die HCVree-Studie wird das zeigen. Diese ist mittlerweile abgeschlossen und wir warten auf die Publikation.