Aktuell – 18. Juni 2020

COVID-19: Doch erhöhtes Risiko für Menschen mit HIV?

Bisher gab es keinen Hinweis, dass Menschen mit HIV durch SARS-CoV2 besonders gefährdet wären – siehe dazu auch die aktuelle Position der europäischen Fachgesellschaft EACS. Eine ganz neue und als sehr glaubwürdig eingestufte Studie aus Südafrika zeigt ein anderes Bild. Die Forscher zeigen, dass sowohl behandelte wie auch nicht therapierte Menschen mit HIV ein höheres Todesfallrisiko bei COVID-19 haben. Hier die in der Studie gemessenen Risikofaktoren: 

  • Unkontrollierte Diabetes: Todesfallrisiko x 8.99
  • Kontrollierte Diabetes: Risiko x 4.65
  • HIV: x 2.75
  • Aktive Tuberkulose: x 2.6
  • HIV nach Alter und Geschlecht kontrolliert: x 2.3
  • Chronische Nierenerkrankung: x 2.0
  • Bluthochdruck: x 1.46
  • Ausgeheilte Tuberkulose: x 1.41

Wichtiger Vorbehalt: Die Studie befasste sich ausschliesslich mit Todesfällen (oder sehr schwerwiegenden Folgen von COVID-19, was in der Praxis ein Todesfall bedeutet), nicht aber mit Erkrankungen ganz generell. Die Studie zeigt auch nicht, ob sich Menschen mit HIV öfter mit SARS-CoV2 infizieren, und falls ja, warum dem so ist. Die Studie befasste sich auch nicht mit möglichen sozioökonomischen oder strukturellen Faktoren, welche möglicherweise Menschen mit HIV verletzlicher machen.

Fazit: Dies ist die erste Studie, welche zeigt, dass HIV ein Faktor ist, der unabhängig von anderen Faktoren das Todesfallrisiko bei COVID-19 erhöht. Möglicherweise ist das Ergebnis aber mit strukturellen Benachteiligungen von Menschen mit HIV verbunden und deshalb spezifisch für den südafrikanischen Kontext gültig.

Referenz: www.bhekisisa.org

 

 

David Haerry / Juni 2020