Aktuell – 23. Juli 2019

Wechselwirkungen mit Corticosteroiden vorbeugen

Prof Catia Marzolini, Universitätsspital Basel

Protease-Inhibitoren mit Ritonavir oder Cobicistat und Elvitegravir mit Cobicistat hemmen den Abbau mehrerer Medikamente, erhöhen deren Konzentration und das Risiko von Nebenwirkungen. Die klinische Bedeutung von Arzneimittelwechselwirkungen ist nicht für alle Arzneimittel gleich: Problematische Arzneimittelwechselwirkungen sind in der Liverpool-Datenbank rot kodiert.

Zwei europäische Kohortenstudien1, 2 haben gezeigt, dass problematische Arzneimittelwechselwirkungen auftreten können. Besonders häufig beobachtet wurden Wechselwirkungen zwischen geboosterten antiretroviralen Medikamenten und Corticosteroiden. Diese Kombination von Medikamenten kann das Cushing-Syndrom verursachen. Da Corticosteroide oft nicht zum Einnehmen verschrieben werden, sondern eher kutan, nasal, okular oder intraartikulär, und von verschiedenen Spezialisten wie Dermatologen, Rheumatologen, Pneumologen verordnet werden, wird dieses Risiko der Arzneimittelinteraktion tendenziell unterschätzt oder nicht erkannt.

In Zusammenarbeit mit der HIV-Kohortenstudie hat der Positivrat eine Informationskarte über das Risiko von Arzneimittelwechselwirkungen mit Corticosteroiden gedruckt. Die Informationen werden in Kreditkartenformat und neutral, ohne Erwähnung von HIV dargestellt. Patienten, die eine geboosterte Therapie haben, erhalten die Karte vom behandelnden Arzt. Wir empfehlen ihnen, diese Karte griffbereit zu haben und sie immer dann vorzuweisen, wenn sie neue Medikamente verschrieben bekommen. Damit werden diese Arzneimittelwechselwirkungen verhindert.

 

 

1 Lopez-Centeno B et al. Polypharmacy and drug-drug interactions in HIV infected subjects in the region of Madrid: a population based study. HIV
   Glasgow Conference, 2018.

2 Demessine L et al. Risk and cost associated with drug-drug interactions among aging HIV patients receiving combined antiretroviral therapy in France. Open Forum Infect Dis, 2019