Aids-Hilfe Schweiz: 40 Jahre leben mit HIV
Am 5.6.1981 veröffentlichte das US-amerikanische Gesundheitsamt CDC in seinem wöchentlichen Bulletin eine ungewöhnliche Beobachtung: In den letzten neun Monaten war bei fünf jungen, schwulen Männern in Los Angeles eine seltene Form der Lungenentzündung aufgetreten, normalerweise ein Symptom schwerer Immunschwäche.
Am 5. Juni 2021 jährt sich die Veröffentlichung des CDC zum vierzigsten Mal. Sie markiert den Beginn einer Pandemie, die weltweit bis heute über 30 Millionen Todesopfer gefordert hat. Aber sie ist auch der Startschuss zu einer schier unglaublichen medizinischen Erfolgsgeschichte, eines gesellschaftlichen Wandels, einer Enttabuisierung vormals verpönter sexueller Praktiken und Lebensweisen.
Die Aids-Hilfe Schweiz nutzt die Zeitspanne vom Jahrestag (5. Juni 2021) bis zum Welt-Aids-Tag (1. Dezember 2021), um mit einer nationalen Kampagne in drei Phasen die öffentliche Aufmerksamkeit auf die medizinischen Fortschritte in Behandlung und Prävention von HIV und auf die Veränderung des gesellschaftlichen Diskurses über Sexualität zu lenken.
In einer ersten Phase im Juni und im Juli wurde vor allem die Vergangenheit gewürdigt. Dazu gehörte einiges an Medienarbeit sowie eine Zusammenarbeit mit dem Pink Apple Filmfestival.
In der laufenden zweiten Phase wird die Gegenwart diskutiert. Für Fach- und interessierte Personen findet am 2. Oktober 2021 in Bern eine zweisprachige Fachtagung statt. Referate, Debatten und Workshops werden aufgreifen, was die letzten 40 Jahre mit unserer Sexualität und unserer Gesellschaft gemacht haben. Wo ist im Zeitalter der Legalisierung von LGBT-Lebensformen die sexuelle Freiheit geblieben? Sind Schuld und Scham wirklich aus unserem Sprechen über Sexualität verschwunden? Wo liegen heute die Herausforderungen für die sexuelle Gesundheit?
In einer dritten Phase von November bis Dezember geht es um die Zukunft und Themen wie Diskriminierung am Arbeitsplatz sowie Mythen und Vorurteile, welche Menschen mit HIV das Leben schwermachen. Geplant sind eine Informationskampagne in den schwulen Medien, eine Spezialausgabe der Swiss Aids News und eine Kampagne auf LinkedIn.
Link Dachkampagne: https://hope.aids.ch
Internationale Kampagne Positiv arbeiten: https://www.workingpositively.hiv
David Haerry / August 2021
Weitere Themen
Kohorten-News SHCS: Respond Konsortium zu Bluthochdruck
Die SHCS beteiligt sich häufig an Forschungsprojekten in Zusammenarbeit mit anderen Kohortenstudien. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn Fragen untersucht werden sollen, welche eine sehr grosse Datenmenge benötigen. Eines dieser Projekte ist das EU-finanzierte Respond Konsortium. In diesem Rahmen wurde ein möglicher Zusammenhang zwischen Integrasehemmern und Bluthochdruck sowie Herz-Kreislauf Erkrankungen untersucht. In zwei Studien sieht man ein Signal, doch eindeutig ist die Sache nicht.
Der Kollateralschaden wird Realität: Nationales HIV- und Hepatitis-Programm wird aufgeschoben
Wie nach unserem Redaktionsschluss bekannt wurde, hat der Bundesrat entschieden, das nationale Programm zur Bekämpfung von HIV und sexuell übertragbaren Infektionen um zwei Jahre zu verlängern. Damit verzögert sich das Inkrafttreten eines Folgeprogramms. Die Erreichung der Eliminationsziele per 2030 für HIV und virale Hepatitis ist damit gefährdet.
My Story with HIV – Von Schwere, Leichtigkeit und spannenden Begegnungen
Vor gut einem Jahr habe ich meine Geschichte publik gemacht. Ich habe mich für den Mut entschieden und wollte die Angst hinter mir lassen. Die Diagnose bedeutet, viel Schmerz aushalten zu müssen. Sie kann aber auch bedeuten, einen neuen Reichtum an Perspektiven, Menschlichkeit und Ideen zu erleben.