10 Jahre Schweizer Hepatitis-Strategie: Viel wurde erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun.

Rund 40 Personen trafen sich am 25. April 2024 im noblen «Cercle de la Grande Société de Berne» in der Berner Altstadt, um das 10-jährige Bestehen des Netzwerks Schweizer Hepatitis-Strategie zu feiern.

Der Ort wurde gewählt, weil sich dort im Januar 2014 erstmals 30 Persönlichkeiten auf Einladung der Vorgängerorganisation von Hepatitis Schweiz sowie der medizinischen Fachgesellschaften Swiss Association for the Study of the Liver SASL, der Schweizerischen Gesellschaft für Infektiologie sowie der Schweizerischen Gesellschaft für Gastroenterologie getroffen hatten.

Moderiert wurde der Anlass von Raoul Blindenbacher. Er hatte schon das erste Treffen organisiert. Dank der von ihm entwickelten Methode der “Governmental Learning Spiral”, einem multidisziplinären Stakeholder-Prozess, welcher alle relevanten Akteure einbindet, konnte sich das Netzwerk gut entwickeln und wichtige Meilensteine erreichen. So war schon beim ersten Treffen von einem nationalen Programm die Rede, welches die Elimination der viralen Hepatitis beinhalten sollte. Etwas, das mit dem NAPS, dem nationalen Programm für HIV und virale Hepatitis, nun seit Anfang Jahr Realität ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Raoul Blindenbacher

Unter anderem war die ehemalige Bundesrätin Ruth Dreifuss eine Mitinitiantin des Netzwerks und ebenfalls beim Kick-off-Meeting vor zehn Jahren dabei. Damals hatte die ehemalige Gesundheitsministerin angeregt, dass Synergien mit Infektionskrankheiten wie HIV genutzt werden sollten, um ein solches Programm ressourcenschonend und effizient umzusetzen. Ruth Dreifuss konnte bei diesem Treffen nicht dabei sein, sie schickte aber eine Grussbotschaft an die Teilnehmenden, in der sie die Wichtigkeit der geleisteten Arbeit betonte und allen Engagierten dankte.

Nationalrätin und Präsidentin der nationalrätlichen Gesundheitskommission Barbara Gysi betonte in ihrer Rede, dass es nach wie vor Lücken in der Versorgung von Hepatitis-Betroffenen gäbe. Dies zeigt eine neue St.Galler Studie, die Patient:innen in Methadonprogrammen untersuchte. Demnach sind in dieser Hochrisikogruppe für Hepatitis C zu viele Menschen noch nicht diagnostiziert und behandelt.

Andrea de Gottardi, Co-Chefarzt Hepatologie am Kantonsspital Luzern und ebenfalls vor zehn Jahren schon im gleichen Rahmen mit dabei, zeigte die Erfolgsgeschichte der Hepatitis-C-Behandlung. Auch er betonte, dass es noch viel zu tun gäbe.

Andreas Hüttenmoser, langjähriger Peer-Mitarbeiter des Arud Zentrum für Suchtmedizin in Zürich erzählte in einem bewegenden Interview mit Hepatitis-Schweiz-Geschäftsführerin Bettina Maeschli von seinem Leben mit Hepatitis C. Die Therapie, die er im Jahr 2014 erhielt – nach einer 30-jährigen Geschichte mit der Infektion – hat sein Leben verändert und sein heutiges Engagement für Menschen mit Hepatitis C ermöglicht.

Zum Abschluss sprach Gesundheitsberater Athos Staub als Mitglied der Eidgenössischen Kommission für Fragen zu sexuell übertragbaren Infektionen darüber, wie es auch in einem schwierigen Umfeld gelingen kann, dass Anliegen wie das der Schweizer Hepatitis-Strategie auch gehört werden.

Einen wichtigen Meilenstein hat das Netzwerk dank seiner Tätigkeit erreicht: Mit dem NAPS ist virale Hepatitis erstmals in einem nationalen Programm integriert. Doch, wie alle Redner:innen des Nachmittags feststellten: Es bleibt noch viel zu tun, bis die Lücken in der Versorgung gefüllt und die Eliminationsziele erreicht sind.

Bettina Maeschli / Mai 2024

 

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